Modul 1 · Erster Kontakt · Lektion 1.5

Mit dem Nein umgehen

Absagen gehören zum Erstkontakt, und viele davon kosten Kraft. So nimmst du ein Nein sauber an, lernst etwas daraus und machst dir den nächsten Anruf leichter.

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Danach kannst du: ein Nein in drei Schritten annehmen und mit einer kleinen Routine den nächsten Anruf leichter machen.

Die Situation

Hypothetisches Beispiel Mira hat heute schon sechs Anrufe hinter sich, alle ohne Erfolg. Beim siebten sagt die Geschäftsführerin eines Pflegedienstes: „Kein Bedarf.“
  1. Geschäftsführerin

    „Kein Bedarf, danke.“

  2. Mira

    „Oh … schade. Aber vielleicht darf ich Ihnen trotzdem ganz kurz zeigen, was wir …“

  3. Geschäftsführerin

    „Ich sagte doch: kein Bedarf.“

Mira hält am Gespräch fest, und das Nein wird härter. Danach fühlt sie sich noch schlechter und schiebt den nächsten Anruf eine halbe Stunde vor sich her.

So hätte es besser laufen können

  1. Geschäftsführerin

    „Kein Bedarf, danke.“

  2. Mira

    „Verstanden, danke für die klare Antwort. Eine Frage noch, dann lasse ich Sie in Ruhe: Ist das Thema bei Ihnen schon gelöst?“

  3. Geschäftsführerin

    „Ja, wir haben letztes Jahr umgestellt.“

  4. Mira

    „Danke, das hilft mir. Einen schönen Tag noch.“

Mira nimmt das Nein an und erfährt trotzdem etwas. Sie notiert den Grund, steht einmal auf und ruft dann die nächste Nummer an.

Nach sechs Absagen will Mira das siebte Nein nicht hören. Also redet sie weiter. Das ist verständlich, aber es macht das Gespräch für beide unangenehmer. Und das Nein bleibt länger hängen.

Im zweiten Verlauf hört Mira dasselbe Nein. Diesmal nimmt Mira es an, lernt etwas daraus und beendet das Gespräch klar. Das Nein ist danach eine Information, kein Urteil über sie.

Die Idee: Ein Nein ist Arbeit, kein Urteil über dich

Im Erstkontakt ist ein Nein der Normalfall. Die Person kennt dich nicht und schuldet dir nichts. Du dagegen sollst bei jedem Anruf freundlich und klar klingen, auch nach der sechsten Absage.

Das kostet Kraft. Die Forschung nennt das Emotionsarbeit: nach außen das Gefühl zeigen, das der Beruf verlangt, auch wenn du innerlich anders fühlst (Hochschild 1983). Im Vertrieb ist diese Belastung gut untersucht. Eine Metaanalyse fasst viele Studien zu emotionaler Erschöpfung im Verkauf zusammen (Edmondson, Matthews & Ambrose 2019). Wenn dich Absagen müde machen, geht es dir wie vielen im Vertrieb. Das ist keine Schwäche, sondern ein Teil der Arbeit.

Dazu kommt: Wir schätzen die Lage oft schlechter ein, als sie ist. In Experimenten sprachen Pendler:innen in Bus und Bahn mit Fremden. Das war für sie angenehmer, als sie vorher erwartet hatten (Epley & Schroeder 2014). Auch beim nächsten Anruf ist die Erwartung oft schlimmer als das Gespräch selbst.

Was hilft, ist ein anderer Blick auf das Nein: als Information über die Lage deines Gegenübers. In einer Befragung von Verkäufer:innen arbeiteten diejenigen klüger, die aus ihren Gesprächen lernen wollten, statt nur auf Ergebnisse zu schauen (Sujan, Weitz & Kumar 1994).

So geht es

1. Nimm das Nein in drei Schritten an

  1. Bestätigen: „Verstanden, danke für die klare Antwort.“ Kein „Schade“, kein „Aber“.
  2. Höchstens eine Frage: Wenn es passt, fragst du einmal nach, woran es liegt, etwa ob das Thema schon gelöst ist. Dazu sagst du, dass es bei dieser einen Frage bleibt.
  3. Verabschieden: ein kurzer, freundlicher Satz. Kein „Ich melde mich im Frühjahr“, wenn niemand darum gebeten hat.

Ist die Person genervt oder sagt sie „Bitte nicht mehr anrufen“, lässt du die Frage weg. Ob ein Satz überhaupt ein Nein ist, klärt die Lektion „Schicken Sie mir was“: Reflex oder Nein?

2. Notier, was du gehört hast

Schreib direkt nach dem Auflegen den Wortlaut des Neins auf und, falls genannt, den Grund. Das dauert eine halbe Minute. Nach ein paar Wochen siehst du, ob bestimmte Anlässe öfter an derselben Stelle enden. Dann änderst du deine Auswahl oder deinen Anlass, nicht dich. Ein Beispiel: Sagen dir drei Pflegedienste „Wir haben schon umgestellt“, rufst du künftig gezielter Dienste an, die gerade wachsen oder neu planen müssen.

3. Bau dir eine kleine Routine zwischen zwei Anrufen

Nach einem Nein direkt weiterzuwählen, fällt vielen schwer. Eine kleine feste Routine hilft dir, das Gespräch kurz abzuschließen, bevor du weitermachst: notieren, einmal aufstehen oder durchatmen, dann die nächste Nummer. Plane außerdem echte Pausen ein, statt eine Liste ohne Unterbrechung abzuarbeiten.

4. Teil es mit anderen

Sprich einmal pro Woche mit einer Kollegin oder einem Kollegen darüber, welches Nein hängen geblieben ist. Als Austausch, nicht als Bewertung. Oft merkt ihr dabei, dass ihr dieselben Sätze hört.

Wann passt es nicht?

  • Wenn du ein Nein von jemandem hörst, mit dem du schon länger sprichst, reichen die drei Schritte nicht. Dann frag nach, was sich geändert hat.
  • Wenn dein Gegenüber nach dem Nein selbst weiterredet und Fragen stellt, ist es kein Nein mehr. Dann führ das Gespräch weiter.
  • Wenn die Erschöpfung über Wochen nicht weggeht oder dein Schlaf leidet, sprich mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen Fachperson.

Kurz prüfen

In welchen drei Schritten nimmst du ein Nein an?

Bestätigen, höchstens eine Frage stellen, freundlich verabschieden.

Warum macht dich eine Reihe von Absagen müde?

Weil du bei jedem Anruf freundlich bleiben musst, egal wie das letzte Gespräch lief. Das ist Arbeit, die Kraft kostet, und keine persönliche Schwäche.

Was lernst du aus einem Nein?

Ob dein Anlass gepasst hat. Wenn mehrere Gespräche an derselben Stelle enden, änderst du deine Auswahl oder deinen Anlass, nicht dich.

Dein nächster Schritt

Schreib dein Nein von heute auf

Dein Wenn-dann-Plan für den nächsten Anrufblock

Wennich nach einem Nein zögere, weiterzuwählen,
dannnotiere ich den Wortlaut und rufe danach die nächste Nummer an.

Am Ende des Tages: Welches Nein ist hängen geblieben, und was hast du daraus erfahren?

Dein Fortschritt

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Markiere die Lektion als erledigt, wenn du deinen nächsten Schritt vorbereitet hast. Dein Fortschritt erscheint dann in der Modulübersicht. Gespeichert wird das nur in diesem Browser.

Quellen und Hinweise

  1. Hochschild, A. R. (1983): The Managed Heart. Commercialization of Human Feeling. Berkeley: University of California Press.
  2. Edmondson, D. R., Matthews, L. M. & Ambrose, S. C. (2019): A meta-analytic review of emotional exhaustion in a sales context. Journal of Personal Selling & Sales Management, 39(3), 275–286. Zur Quelle
  3. Epley, N. & Schroeder, J. (2014): Mistakenly seeking solitude. Journal of Experimental Psychology: General, 143(5), 1980–1999. Zur Quelle
  4. Sujan, H., Weitz, B. A. & Kumar, N. (1994): Learning orientation, working smart, and effective selling. Journal of Marketing, 58(3), 39–52. Zur Quelle

Alle Beispielszenen sind konstruiert und beschreiben keine realen Kund:innen oder Gespräche.

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